NL 5: Wissen & Tools – LVS/WMS: Sechs LVS/WMS-Projektfehler, die Sie vermeiden sollten

Sechs typische Fehler bei WMS-Projekten

Wir durften bereits verschiedene Lagerverwaltungssysteme, kurz LVS oder WMS, mit und ohne automatisierte Anlagen bis zur Inbetriebnahme begleiten. Die möglichen Stolperfallen sind zahlreich. Wer die folgenden Punkte berücksichtigt, ist einer erfolgreichen Umsetzung aber bereits ein gutes Stück näher.

  1. Komplexität aus den Prozessen nehmen

    Bevor ein neues LVS oder WMS ausgewählt wird, sollten die eigenen Prozesse hinterfragt, vereinfacht und möglichst vereinheitlicht werden, ganz nach dem Motto «Keep it simple». Das reduziert Komplexität und Kosten und schafft gleichzeitig eine saubere Grundlage für die Anforderungen an das neue System.

  2. Stammdaten unterschätzen

    Ich weiss, Stammdaten sind selten das spannendste Thema eines WMS-Projekts. Unvollständige oder fehlerhafte Daten führen aber spätestens während der Tests oder noch unangenehmer bei der Inbetriebnahme zu Problemen. Deshalb sollte möglichst früh mit realitätsnahen «Echt»-Daten getestet werden.

WMS Go-Live und Inbetriebnahme
Wenn der Go-live zur Tunnelfahrt wird: eine ebenso ehrliche wie treffende Rückmeldung aus der Praxis.
  1. Projektorganisation zu klein aufstellen

    Ein WMS-Projekt braucht klare Verantwortlichkeiten, kurze Entscheidungswege und genügend interne Ressourcen. Besonders Key User müssen früh eingebunden, vom Tagesgeschäft entlastet und gezielt geschult werden. Sie kennen die betrieblichen Abläufe und Sonderfälle und verhindern, dass an der Praxis vorbeigeplant wird.

  2. Zu wenig praxisnah testen

    Dass einzelne Funktionen funktionieren, bedeutet noch nicht, dass auch der gesamte Prozess funktioniert. Deshalb müssen komplette Prozessketten, Spitzenmengen, Störfälle und Wiederanläufe unter realistischen Bedingungen getestet werden. Wer hier nur die Hälfte testet, bezahlt den Rest meistens beim Go-Live. Bei automatisierten Anlagen empfehlen wir zudem eine möglichst anlagennahe Emulation.

  3. Change Management unterschätzen

    Die operativen Mitarbeitenden sind vom neuen System und den veränderten Prozessen am stärksten betroffen. Entsprechend wichtig ist es, sie früh einzubeziehen. Ein WMS-Projekt betrifft in der Regel auch das ERP und damit zahlreiche weitere Bereiche des Unternehmens. Diese dürfen im Change-Management nicht vergessen gehen.

  4. Inbetriebnahme zu wenig detailliert planen

    Eine Inbetriebnahme ist ein wenig wie eine Operation am offenen Herzen. Der laufende Betrieb soll möglichst wenig beeinträchtigt werden, während zentrale Prozesse und Systeme umgestellt werden. Entsprechend detailliert sollte der Go-Live mit allen Beteiligten vorbereitet werden. Klare Fallback-Pläne dürfen dabei nicht fehlen.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrem nächsten LVS- oder WMS-Projekt.

LVS oder WMS?

Die Begriffe werden häufig synonym verwendet. Vereinfacht unterstützt ein LVS vor allem die operative Abwicklung von Wareneingang, Einlagerung, Kommissionierung und Versand. Ein WMS übernimmt zusätzlich übergreifende Steuerungs- und Optimierungsaufgaben, etwa die Priorisierung von Aufträgen, die Ressourcensteuerung oder die Koordination mehrerer Lagerbereiche.

Was macht ein MFR/WCS?

Ein Materialflussrechner (MFR) beziehungsweise ein Warehouse Control System (WCS) verbindet das WMS mit der automatisierten Lager- und Fördertechnik. Das System übersetzt Transportaufträge in konkrete Bewegungen, wählt Routen und koordiniert Fördertechnik, Shuttles, Regalbediengeräte oder Sorter. Die direkte Maschinensteuerung erfolgt über die SPS.