NL 5: Fokusthema – LVS/WMS I: Welche Systemunterstützung braucht Ihr Lager?

Welche Systemunterstützung braucht Ihr Lager?

Die Anforderungen an die Lagersteuerung unterscheiden sich erheblich.

Entsprechend lassen sich vier Typen unterscheiden: von der ERP-gestützten Bestandsführung über geführte manuelle Lagerprozesse und die übergreifende Steuerung mit einem WMS bis zur Steuerung automatisierter Anlagen mit WMS und Materialflussrechner.

Typologie Systemunterstützung Typischer Leistungs- und Komplexitätsbereich* Typische Projekte
1. Rein ERP-gestützte Lagerverwaltung Bestände und Lagerplätze werden im ERP geführt. Die operativen Prozesse erfolgen weitgehend manuell. Bis ca. 200 Lagerbewegungen pro Tag, wenige Mitarbeitende und einfache Lagerstrukturen SAP-gestützte Lagerplatzverwaltung und strukturierte Umlagerung
2. Geführte manuelle Lagerprozesse Ein LVS führt die Mitarbeitenden mittels mobiler Geräte oder Pick-by-Light durch die Lagerprozesse. Ca. 200 bis 2’000 Lagerbewegungen pro Tag, mehrere Prozessschritte mit steigenden Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit Digitalisierung und systemgestützte Führung der Lagerprozesse
3. Übergreifende Lagersteuerung Ein WMS priorisiert Aufträge, steuert Ressourcen und koordiniert unterschiedliche Lagerbereiche oder Standorte. Ca. 1’000 bis 10’000 Lagerbewegungen pro Tag, mehrere Lagerzonen, Auftragsarten oder Standorte Harmonisierung der Lagerbewirtschaftung über mehrere Standorte
4. Automatisierte Lagersteuerung WMS und Materialflussrechner koordinieren die Lagerprozesse sowie die automatisierten Anlagen. Hohe Spitzenleistungen, häufig mehrere Hundert Bewegungen pro Stunde, mit Fördertechnik, Shuttles, Sortern oder Regalbediengeräten Steuerung von Fördertechnik, Puffern, Sortierung und Kommissionierbereichen

* Die Leistungswerte dienen als Orientierung. Ausschlaggebend für die Einordnung sind neben dem Volumen insbesondere die Prozesskomplexität, der Automatisierungsgrad, die Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit sowie die notwendigen Schnittstellen.

Die passende Systemunterstützung hängt nicht allein von der Lagergrösse ab. Entscheidend sind die Prozesskomplexität, das Auftragsvolumen, der Automatisierungsgrad, die erforderlichen Schnittstellen sowie die Qualität der Stamm- und Bewegungsdaten. Ebenso relevant sind das erwartete Wachstum und die Frage, welche bestehenden Systeme und Anlagen weiterverwendet werden können.

Dabei gilt: So viel System wie nötig, aber nicht mehr als wirtschaftlich sinnvoll. Nicht jedes Lager benötigt von Beginn an die höchste Ausbaustufe. Eine schrittweise Entwicklung kann sinnvoll sein, sofern die spätere Zielarchitektur bereits bei der Systemauswahl berücksichtigt wird. Schnittstellen, Datenstrukturen und mögliche Automatisierungsschritte müssen deshalb frühzeitig definiert werden.

Die passende Lösung ist nicht das System mit den meisten Funktionen, sondern jenes, das die heutigen Anforderungen zuverlässig erfüllt und die zukünftige Entwicklung des Lagers ermöglicht.

Entscheidend für den Erfolg ist jedoch nicht nur die Wahl des passenden Systems, sondern auch ein konsequentes Change-Management mit frühzeitigem Einbezug der Mitarbeitenden sowie eine systematische Einführung nach der SmartLogistics-Methode – von der Prozessdefinition über Tests und Schulungen bis zur stabilen Inbetriebnahme.